Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung spielt während der Schwangerschaft eine zentrale Rolle: Sie versorgt Mutter und Kind mit der Energie und den Baustoffen, die für das Wachstum des Embryos, die Entwicklung von Organen und Knochen sowie für die Gesundheit der werdenden Mutter nötig sind. Ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Mineralstoffen kann Entwicklungsstörungen begünstigen, das Risiko für Frühgeburt und niedriges Geburtsgewicht erhöhen oder die Gesundheit der Mutter (z. B. durch Anämie) beeinträchtigen. Deshalb ist es wichtig, schon vor und während der Schwangerschaft gezielt auf einige Schlüssel-Nährstoffe zu achten.
Folsäure (Folat) ist einer der wichtigsten Nährstoffe in der Frühschwangerschaft: Sie reduziert nachweislich das Risiko für Neuralrohrdefekte (z. B. Spina bifida). Allgemein wird empfohlen, bereits vor der Empfängnis und mindestens in den ersten 12 Schwangerschaftswochen täglich Folsäure einzunehmen (häufig 400 µg/Tag). Bei erhöhtem Risiko kann eine höhere Dosis unter ärztlicher Aufsicht nötig sein. Eisenbedarf und Blutbild sollten überwacht werden, denn durch das erhöhte Blutvolumen steigt der Eisenbedarf stark an; Eisenmangelanämie ist eine der häufigsten Mangelerscheinungen in der Schwangerschaft. Die WHO empfiehlt häufig eine tägliche Eisen– und Folsäuresupplementierung (z. B. 30–60 mg Elementareisen plus 400 µg Folsäure), die genaue Dosis sollte individuell mit der betreuenden Ärztin/dem Arzt abgestimmt werden.
Kalzium ist wichtig für den Knochenaufbau des Kindes und den Erhalt der Knochengesundheit der Mutter; wenn über die Nahrung nicht genügend Kalzium aufgenommen wird, wird es dem Knochenstoffwechsel der Mutter entzogen. Jod wird für die Schilddrüsenfunktion und die neurologische Entwicklung des Fötus benötigt; ein Jodmangel kann zu Entwicklungsstörungen führen, weshalb in vielen Ländern eine erhöhte Jodzufuhr in der Schwangerschaft empfohlen wird. Vitamin D unterstützt die Kalziumaufnahme und die Knochenentwicklung; ein Mangel ist weit verbreitet, insbesondere bei geringer Sonnenexposition, und sollte ggf. durch Bluttests und gezielte Supplemente ausgeglichen werden.
Omega‑3‑Fettsäuren (insbesondere DHA) sind wichtig für die Hirn- und Netzhautentwicklung des Kindes; viele Fachgesellschaften empfehlen eine zusätzliche Zufuhr, wenn die Ernährung wenig fetten Seefisch enthält. Vitamin B12 ist besonders relevant bei vegetarischer oder veganer Ernährung, da ein Mangel neurologische Folgen haben kann; bei entsprechender Ernährungsweise sollte frühzeitig auf ausreichende Zufuhr geachtet oder supplementiert werden. Weitere Mineralstoffe und Spurenelemente wie Magnesium, Zink und Selen spielen ebenfalls Rollen im Stoffwechsel und Wachstum – eine ausgewogene Kost reduziert das Risiko für Defizite.
Praktisch bedeutet das: Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, fettarmen Milchprodukten oder pflanzlichen Alternativen, magerem Fleisch bzw. Fisch oder geeigneten pflanzlichen Eiweißquellen sowie gesunden Fetten ist die beste Basis. Bestimmte Lebensmittel sollten gemieden oder eingeschränkt werden (z. B. rohes Fleisch, Rohmilchprodukte, Leberprodukte wegen hoher Vitamin‑A-Konzentration, bestimmte große Raubfische wegen Quecksilber). Auf Alkohol und Rauchen sollte vollständig verzichtet werden; Koffein wird meist in Grenzen (z. B. <200 mg/Tag) empfohlen. Bei speziellen Ernährungsformen (Veganismus, starke Allergien, vorbestehende Erkrankungen) ist eine frühzeitige Beratung sinnvoll.
Viele Frauen erhalten zusätzlich ein pränatales Multivitaminpräparat, das Folsäure sowie häufig weitere wichtige Mikronährstoffe enthält; ob und welches Präparat sinnvoll ist, hängt von Befunden, Ernährung und Risiko ab und sollte mit der Frauenärztin/dem Frauenarzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft besprochen werden. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen sind wichtig, um Blutwerte (z. B. Hämoglobin, Ferritin, ggf. Vitamin D) zu prüfen und gegebenenfalls gezielte Supplemente zu verordnen.
Kurz zusammengefasst: Nährstoffe in der Schwangerschaft sind entscheidend für die gesunde Entwicklung des Kindes und die Gesundheit der Mutter. Eine vollwertige, ausgewogene Ernährung bildet die Grundlage; gezielte Supplemente (insbesondere Folsäure und bei Bedarf Eisen, Jod, Vitamin D, DHA) werden häufig empfohlen. Für individuelle Empfehlungen und Dosierungen sollte jede Schwangere Rücksprache mit ihrer betreuenden Ärztin/ihrem betreuenden Arzt oder einer Ernährungsberatung halten.
