Du bist nicht allein — viele Menschen erleben immer wieder Ängste oder Panikattacken, die den Alltag stark einschränken können. Wichtig ist: Panik und Angst sind zwar sehr unangenehm, sie sind aber behandel- und beeinflussbar. Hier einige praktische, sofort anwendbare Tipps und langfristige Strategien, die dich unterstützen können.
Wenn eine Panikattacke kommt (sofort wirksame Soforthilfen)
- Atme bewusst: probiere 4–4–4: langsam 4 Sekunden einatmen, 4 Sekunden kurz halten, 4 Sekunden ausatmen. Oder verlängere die Ausatmung (z. B. 4 Sekunden ein, 6 Sekunden aus). Wiederhole, bis die Atmung ruhiger wird.
- Bodenkontakt/Grounding (5–4–3–2–1): Nenne laut oder im Kopf 5 Dinge, die du siehst, 4 Dinge, die du fühlen kannst, 3 Dinge, die du hörst, 2 Dinge, die du riechst (oder zwei weitere sichtbare Dinge), 1 Sache, die du schmeckst oder eine positive Aussage über dich. Das hilft, wieder im Hier und Jetzt anzukommen.
- Muskelentspannung kurz: Spanne für 5–7 Sekunden eine Muskelgruppe (z. B. Hände), dann langsam loslassen; gehe kurz durch 2–3 Gruppen.
- Erlaube die Erfahrung: sag dir innerlich: „Das ist Angst. Sie erreicht jetzt einen Höhepunkt und wird wieder abklingen.“ Vermeide zu kämpfen oder zu fliehen, wenn möglich — das verstärkt oft die Angst.
Kurzfristige Strategien (Tage bis Wochen)
- Notiere Auslöser und Muster: Schreibe auf, wann Angst oder Panik auftreten (Uhrzeit, Ort, Gedanken, Körperempfindungen). Das hilft, Muster zu erkennen und gezielt zu arbeiten.
- Reduziere stimulierende Substanzen: Koffein, Nikotin und übermäßiger Alkoholkonsum können Ängste verstärken. Probier, diese zu reduzieren und beobachte Veränderungen.
- Schlaf & Bewegung: Regelmäßiger Schlaf und mindestens 30 Minuten moderate Bewegung an den meisten Tagen verbessern Stimmung und Resilienz.
- Struktur & kleine Ziele: Plane den Tag mit kleinen erreichbaren Aufgaben; Erfolgserlebnisse bauen Selbstvertrauen auf.
- Soziale Unterstützung: Sprich mit vertrauten Personen über das, was du erlebst. Alleinsein verstärkt oft die Angst.
Langfristige Strategien (Monate)
- Konfrontation statt Vermeidung: Vermeide nicht ständig Situationen, die Angst auslösen. Erstelle eine kleine Angsthierarchie (vom leichtesten bis zum schlimmsten Anlass) und arbeite dich schrittweise vor — am besten mit Unterstützung (Therapeutin, Freundin). Wiederholte, geplante Exposition reduziert die Angst langfristig.
- Kognitive Techniken: Hinterfrage automatische Gedanken: Was spricht dafür, dass dieser Gedanke wahr ist? Was spricht dagegen? Gibt es eine realistischere, hilfreiche Erklärung? Übe, Gedanken zu beobachten statt dich mit ihnen zu identifizieren.
- Achtsamkeit und Akzeptanz: Kurzmeditationen, Body-Scans oder achtsame Pausen helfen, den Fokus weg von Katastrophenvorstellungen und hin zu gegenwärtigen Erfahrungen zu lenken.
- Progressive Muskelrelaxation oder Yoga: Regelmäßiges Training der Körperwahrnehmung reduziert körperliche Anspannung.
Therapie und ärztliche Unterstützung
- Suchen professioneller Hilfe ist sinnvoll, wenn Ängste oder Panikattacken häufig sind, dein Alltag stark eingeschränkt ist oder du anhaltend unter den Symptomen leidest. Wirksame Behandlungen sind beispielsweise kognitive Verhaltenstherapie (CBT) mit Expositionsarbeit, achtsamkeitsbasierte Therapien oder bei Traumafolgen eventuell EMDR. Ein Psychotherapeut oder eine psychiatrische Fachperson kann individuell beraten.
- Medikamente können in manchen Fällen helfen (z. B. kurzfristig gegen akute Angst oder als Begleitung bei längerfristiger Behandlung). Besprich Nutzen und Risiken immer mit einer Ärztin / einem Arzt oder Psychiater.
Krisenplan (wichtig)
- Wenn du denkst, du könntest dir selbst wehtun oder bist in akuter Gefahr: suche sofort Hilfe. In der Schweiz kannst du z. B. den Notruf 144 wählen; für telefonische Krisenhilfe ist die Nummer 143 (Die Dargebotene Hand) erreichbar. Teile in einer Krise auch mitvertrauenswürdigen Menschen mit, wo du bist und dass du Hilfe brauchst.
- Erstelle für dich eine Liste: 3 Personen, die du anrufen kannst; 3 sinnvolle Ablenkungen oder Beruhigungsstrategien; die Telefonnummer deiner Hausärztin / deines Hausarztes oder einer lokalen psychischen Gesundheitsstelle.
Praktische Alltagsübungen zum Einbauen
- 1–3 Minuten Atemübung mehrmals täglich (auch wenn du ruhig bist) — so wirst du im Ernstfall geübter.
- Kurze Achtsamkeitspausen (2–5 Minuten): bewusstes Wahrnehmen von Atmung und Körperempfindungen.
- „Sorgen-Zeit“: Erlaube dir einmal am Tag 15–20 Minuten, Sorgen aufzuschreiben; außerhalb dieser Zeit vertagst du Grübeln bewusst.
Erwartungen und Mitgefühl
- Veränderungen brauchen Zeit. Kleine Schritte sind Fortschritt. Rückschläge gehören dazu, sind aber nicht das Ende des Weges.
- Sei freundlich zu dir selbst: Angst ist eine natürliche Reaktion. Du kannst lernen, sie zu verstehen und besser damit umzugehen.
Wenn du möchtest, kann ich dir eine kurze Atemübung oder einen einfachen Schritt-für-Schritt-Plan zur Erstellung einer Angsthierarchie schreiben, einen Notfallplan formulieren oder Hinweise geben, wie du eine passende Therapeutin / einen Therapeuten finden kannst.
