Biofrequenzen beschreiben die wiederkehrenden Schwingungen, die in lebenden Systemen — von einzelnen Zellen bis zu ganzen Organismen — auftreten oder auf sie einwirken können. Als Maß wird meist die Frequenz in Hertz (Hz) verwendet, also die Anzahl der Schwingungszyklen pro Sekunde. Manche Biofrequenzen sind interne, physiologische Rhythmen (z. B. Herzschlag, Atmung, neuronale Oszillationen), andere sind äußere Felder oder Töne, mit denen Menschen versuchen, biologische Prozesse zu beeinflussen oder zu messen.
Auf der Ebene des Nervensystems sind die bekanntesten Frequenzbänder die Gehirnwellen, die mit einem Elektroenzephalogramm (EEG) erfasst werden: Delta (~0,5–4 Hz) bei tiefem Schlaf, Theta (~4–8 Hz) bei dämmerigem Bewusstsein oder Kreativität, Alpha (~8–13 Hz) bei entspanntem Wachzustand, Beta (~13–30 Hz) bei aktiver Aufmerksamkeit und Gamma (>30 Hz) bei komplexer Informationsverarbeitung. Auch das Herz (gemessen mit EKG) und die Atmung zeigen charakteristische Frequenzmuster; ihre Wechselbeziehung wird unter anderem durch die Analyse von Herzratenvariabilität (HRV) untersucht. Auf einer anderen Skala gibt es circadiane Rhythmen (~24 Stunden) und ultradiane Rhythmen (kürzere Zyklen), die Stoffwechsel, Hormonspiegel und Schlaf-Wach-Zyklen steuern.
Physikalisch kann man zwischen zwei Konzepten unterscheiden: erstens Resonanz und Synchronisation (Entrainment), also das Phänomen, dass ein biologisches System durch externe Schwingungen in seinen eigenen Rhythmus gebracht oder darin beeinflusst werden kann; zweitens die Messung und Analyse vorhandener biologischer Signale, häufig mithilfe von Fourier- oder Spektralanalysen, die zeigen, welche Frequenzen in einem Signal dominant sind. Die Praxis greift auf beide Konzepte zurück: z. B. Neurofeedback nutzt Messung plus Rückkopplung, während andere Anwendungen externe Felder oder akustische Töne (binaurale Beats) einsetzen, um eine gewünschte Verschiebung in den biologischen Rhythmen zu erzielen.
Es gibt verschiedene Anwendungen und Ansätze, die unter dem Sammelbegriff „Biofrequenzen“ laufen. Neurofeedback ist ein gut untersuchter Bereich: Personen erhalten in Echtzeit Rückmeldung über ihre Gehirnaktivität und lernen, bestimmte Frequenzmuster zu erhöhen oder zu reduzieren; für einige Indikationen, etwa bestimmte Formen von ADHS oder Epilepsie, gibt es Studien, die Vorteile zeigen, aber die Befunde sind heterogen und abhängig von Protokoll, Messqualität und Studiendesign. Daneben existieren Verfahren wie die Anwendung gepulster elektromagnetischer Felder (PEMF), akustische Stimulationen (z. B. binaurale Beats oder isochrone Töne) und verschiedene kommerzielle „Bioresonanz“-Geräte. Für viele dieser Ansätze sind die wissenschaftlichen Belege unterschiedlich stark: manche Methoden haben solide physiologische Grundlagen und klinische Studien, andere werden eher anekdotisch beworben und weisen keine robuste, reproduzierbare Wirksamkeit nach.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen plausibler Physiologie und überzogenen Versprechen. Biologische Systeme reagieren auf Reize — das ist unbestritten —, aber ob ein bestimmter Ton, ein elektromagnetisches Feld oder ein kommerzielles Gerät gezielt gewünschte langfristige Gesundheitswirkungen hervorruft, muss durch sorgfältige Forschung belegt werden. Viele Anbieter machen weitreichende Heilungsversprechen ohne entsprechend belastbare Studien. Aus sicherheits- und gesundheitsrelevanten Gründen sollten Menschen mit implantierten Geräten (z. B. Herzschrittmacher), Schwangere oder Personen mit schwerwiegenden medizinischen Problemen vor Nutzung elektromagnetischer oder elektrischer Geräte ärztlichen Rat einholen.
Wer sich für Biofrequenzen interessiert und sie praktisch ausprobieren möchte, kann mit einfachen, risikoarmen Methoden beginnen: achtsame Atmung zur Regulation der Herzratenvariabilität, geführte Meditationen mit beruhigenden Rhythmen, klangbasierte Übungen wie binaurale Beats zur Entspannung oder angewandtes Biofeedback/Neurofeedback unter professioneller Anleitung. Beim Kauf von Geräten oder beim Besuch von Behandlungen sollte man auf wissenschaftliche Nachweise, unabhängige Studien, Transparenz zu Methode und Messverfahren sowie auf Zertifikate und regulatorische Zulassungen achten (z. B. CE-Kennzeichnung in Europa). Kritisch hinterfragen: Werden kontrollierte Studien vorgelegt? Ist die Wirkung reproduzierbar? Welche Messgrößen werden verwendet und sind sie valide?
Kurz zusammengefasst: Biofrequenzen sind ein nützliches Konzept, um rhythmische Prozesse im Körper zu beschreiben und — in manchen Fällen — gezielt zu beeinflussen. Es gibt etablierte, gut erforschte Anwendungen (z. B. bestimmte Formen des Bio- und Neurofeedback), daneben viele kommerzielle Angebote mit unklarer Wirksamkeit. Bei Interesse an therapeutischer Nutzung ist es ratsam, auf seriöse Studien und qualifizierte Fachpersonen zu achten und bei medizinischen Fragestellungen immer ärztlichen Rat einzuholen.
